Handwerkskunst trifft auf Minimalismus: Le Corbusiers Vorliebe für Berberteppiche

Die weite Reise des Berberteppichs

Kenner schätzen ihn seit Jahrzehnten, den klassischen, mit schwarzweißem Karomuster überdeckten Berberteppich, der sich heute wachsender Beliebtheit erfreut: der Beni Ourain Teppich. Doch wie kam es, dass dieser nordafrikanische Traditionsteppich unsere Herzen in Windeseile eroberte? Das ist verschiedenen Künstler*innen, Designer*innen und Architekt*innen des 20. Jahrhunderts zu verdanken, die den Berberteppich in ihre Arbeiten und Werke integrierten. Besonders aber einer war für den Trend und damit für die Ausbreitung des Beni Ourain in europäischen Wohnhäusern verantwortlich, der Schweizer Architekt und Designer Le Corbusier (1).

Die ikonischen Bauten Le Corbusiers

Charles-Édouard Jeanneret-Gris, auch bekannt als „Le Corbusier“, war einer der einflussreichsten und bekanntesten Architekten der Moderne. Seine Bauten sind weltweit bekannt, einige davon gehören sogar zum UNESCO-Welterbe. Die bekanntesten Bauwerke sind jedoch in seinem Geburtsland zu finden. Das Maison Blanche in seiner Heimatstadt La Chaux-de-Fonds sowie der Pavillon Le Corbusier am Zürichsee. Beide werden heute als öffentliche Museen geführt und sind zweifellos einen Besuch wert!

Le Pavillon Le Corbusier in Zürich, Schweiz

Von Beton, geometrischen Formen und architektonischen Farben

Le Corbusiers Werke waren einzigartig, funktional und vor allem brutalistisch. Sein Architekturstil war geprägt von klaren und einfachen geometrischen Formen, gegossen aus seinem Lieblingsbaumaterial, dem Sichtbeton. Als gestalterisches Mittel wurde Beton von Le Corbusier bewusst in Szene gesetzt, um die  Authentizität von Material und Konstruktion zu betonen.

Unité d'Habitation in Marseille, Frankreich

Unité d'Habitation (Marseille, Frankreich)

Neben der Formgebung legte der Architekt auf die Farbgestaltung seiner Bauten viel Wert. Hier orientierte er sich vor allem an der Natur: Blau schafft Weite, rot festigt sich in der Fläche, grau bringt Ruhe und weiß macht sichtbar. Sein Leben lang beschäftigte sich Le Corbusier intensiv mit Farben, ihren räumlichen Eigenschaften und Fähigkeiten. Sein umfassendes Farbverständnis floss in die Erarbeitung der Farben der Polychromie Architecturale ein. Le Corbusier etablierte nicht nur einen neuen Architekturstil, sondern entwarf eine Farbpalette, die heute Architekt*innen und Designer*innen als wichtiges Arbeitstool dient (2).

„Die Farbe ist in der Architektur ein ebenso kräftiges Mittel wie der Grundriss und der Schnitt.“ (Le Corbusier)

 Handgeknüpfter Mrirt Teppich Quimar in weiss-blauen Tönen

Handgeknüpfter Mrirt Teppich QUIMAR aus Schafwolle

Design-Klassiker von Le Corbusier

Le Corbusier erschuf nicht nur eindrucksvolle architektonische Werke, er stellte auch eine ganze Bandbreite an Kunstwerken her. Neben Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen entwarf er im Le-Corbusier-Studio gemeinsam mit seiner Ehefrau Charlotte Perriand und seinem Cousin Pierre Jeanneret etliche zeitlose Möbelstücke wie Tische, Schränke und vor allem die berühmten Le Corbusier Klassiker, den würfelförmigen Ledersessel LC2 (1928) und die Chaise Longue LC4 (1929). Ihre Möbeldesigns werden damals, wie heute, mit schlichter Eleganz, Minimalismus, Funktionalität und Stilsicherheit assoziiert. Ein roter Faden, der sich durch die Lebenswerke Le Corbusiers zieht. Der rustikale Beni Ourain Teppich ist eine ausgezeichnete Ergänzung dazu, bei der Folklore auf Industrie trifft.

Le Corbusier Möbel (LC3 und Chaise Longue) in Kombination mit einem Berberteppich

Le Corbusier und der Beni Ourain Teppich

Wem Le Corbusiers Geschmack und Auffassung von Ästhetik bekannt ist, wird seine Vorliebe für Berberteppiche nachempfinden können. Klare geometrische Rauten auf hellem Grund, ein Teppich ganz nach seinem Geschmack. Le Corbusiers Lieblingsteppich war eindeutig der Beni Ourain. Der Berberteppich war fester Bestandteil seiner ikonischen Bauten und das schlichte geometrische Muster verlieh den Räumen ihre Optik. Seiner Einrichtungsphilosophie zufolge sollten stets drei Welten vertreten sein: Kultur, Folklore und Industrie. Der Beni Ourain repräsentierte dabei ganz klar das kulturelle Erbe Nordafrikas und nahm einen festen Bestandteil in Le Corbusiers Einrichtungsstil ein.

Der Hochflorteppich Beni Ourain hat seine Berühmtheit Le Corbusiers Vorliebe für Funktionalität, Geradlinigkeit, Klarheit und Minimalismus zu verdanken, sowie vielleicht auch einem Zufall, der den Architekten damals den Berberteppich in Marokko entdecken ließ.

„Faire comme les Berbères: Allier à la géométrie la plus notoire fantasie.“ (Le Corbusier, Almanach de l'Architecture Moderne)

Handgeknüpfter Beni Ourain Teppich ANAS in wollweiss und schwarzen Rauten

Handgeknüpfter Beni Ourain Teppich ANAS 

Interessierst du dich für einen Beni Ourain, bist dir aber nicht sicher, ob du dich für einen entscheiden solltest? Hier kannst du nachlesen, wieso sich der Kauf eines Beni Ourains lohnt.

Zu den Beni Ourain Teppichen

Quellen:

(1) Rüegg, Arthur: Der Pavillon de l'Esprit Nouveau als Musée Imaginaire, in: von Moos, Stanislaus (Hrsg.): L'Esprit Nouveau. Le Corbusier und die Industrie 1920-1925, Katalog Zürich 1987, 134-152, 141, 150-151.
(2) Rüegg, Arthur (Hrsg.): Polychromie architecturale Le Corbusier. Birkhäuser Verlag, 2006.
(3) Le Corbusier: L’Almanach de l'Architecture moderne, Paris 1926, 170-171.